Heute wissen wir, dass unsere Idee mehr als zwanzig Jahre dem Markt voraus gewesen ist. Jetzt ist die Zeit gekommen.

Wie alles anfing bei MeteoViva

Markus Werner und Dr. Stefan Hardt über die Anfänge des Unternehmens MeteoViva, revolutionäre Ideen und Hartnäckigkeit

Markus, du bist der geistige Vater von MeteoViva. Wie bist du auf die Idee zu MeteoViva Climate gekommen?
Markus: Ich war in den 90er-Jahren am Solarinstitut Jülich tätig und beschäftigte mich dort mit energieeffizienten Gebäudekonzepten. Bei der Recherche stieß ich 1995 auf das Sonnenhauskonzept „TriSolar“. Ich war davon fasziniert, weil es in ganzheitlicher Denkweise die natürliche Umgebung, gesundes Raumklima und minimalen Energieverbrauch in Einklang brachte. In Gesprächen mit dem TriSolar-Gründer Rolf-Diether Weiblen kam die Überlegung auf, ob sich nicht mit der Vorhersage der Sonneneinstrahlung die Heizungsanlage freigeben oder sperren lässt, um so ein unnötiges Aufheizen der Räume zu vermeiden. Aus der Arbeit eines Kollegen am Solarinstitut erfuhr ich des Weiteren, dass sich mit dynamischer Simulation der zeitliche Verlauf des Raumklimas sehr präzise vorhersagen lässt. Dann hat es bei mir „Klick“ gemacht: Ich war überzeugt von der Idee, dass Heizen und Kühlen in jedem Gebäude optimiert werden können, wenn ein dynamisch rechnendes Simulationsmodell neben der Wetterprognose auch das bauphysikalische Verhalten des Gebäudes kennt.

Du hast im Jahr 2001 MeteoViva – damals noch unter dem Namen „Ennox-Systemoptimierung GmbH" – gegründet. Dann ist Stefan dazugestoßen. Wie war das damals?
Stefan: Wir haben uns während des Studiums Anfang der 90er-Jahre an der RWTH Aachen kennengelernt. Markus hat Elektrotechnik und ich Informatik studiert. Dann trennten sich unsere Wege. Als wir viele Jahre später wieder telefonierten, erzählte mir Markus von seiner Idee, per Prognose aus Simulation Gebäude aktiv zu steuern und dabei Einflussfaktoren wie das Wetter und die Bauphysik zu berücksichtigen. Er suchte nach einer Lösung, die vielen Daten zu verarbeiten. Das hat mich direkt interessiert. Ich begann sofort von der Datenbank und den Prozessabläufen her zu denken – das war mein Gebiet. Ich hatte zu dem Zeitpunkt eigentlich noch gar nicht vor, eine Firma zu gründen. Im Laufe der Zusammenarbeit erkannte ich dann aber das Potenzial der Idee.

Markus: Ich war besessen von der Idee, musste aber in den Anfangsjahren große finanzielle Einschränkungen hinnehmen. Es war sehr schwierig für mich und meine damals junge Familie. Sie gab mir den emotionalen Rückhalt für den Spagat zwischen Entwicklung, Akquise und Geldverdienen. Als Stefan im Frühjahr 2005 anrief, hatte ich bereits erste Aufträge. Die eigens entwickelten Simulationsmodelle kamen dort erstmalig zum Einsatz. Doch es war absehbar, dass es einen IT-basierten Automatismus brauchte, um größere Datenmengen zu verarbeiten. Da kam Stefans Anruf wie gerufen.

Stefan: Die Anfänge waren wirklich spannend – richtig handfest. Ich kann mich noch erinnern, dass Markus eine handgelötete Platine für die ersten Versuche mitbrachte, um Mess- und Steuerdaten vor Ort im Gebäude verarbeiten zu können. Heute nutzen wir die „MeteoViva Box“. Damals war die gesamte Datenkommunikation außerdem noch ISDN-basiert. Wir mussten also noch telefonieren, um eine Verbindung zum Gebäude aufzubauen.


Die MeteoViva Box war eine Grundsatzentscheidung. Wir wollten damals – anders als in der weltweiten Automationsbranche üblich – keine teure IT-Lösung vor Ort, sondern das Ganze in einem zentralen Rechenzentrum bündeln mit der MeteoViva Box als universelle Schnittstelle zur vorhandenen Technik vor Ort. Damit sind wir viel flexibler und preiswerter und der ganze Wartungsaufwand fällt weg.
Markus Werner, Gründer und Beirat MeteoViva GmbH


Was hat euch angetrieben?
Markus: Purer Idealismus. Als Ingenieur wollte ich immer etwas machen, das einen nachhaltigen Sinn ergibt. Schon im Studium hatte ich 1991 zusammen mit Kommilitonen die „Solarinitiative an der RWTH e.V.“ gegründet, mit dem Ziel, dass zukunftsfähige Themen wie regenerative Energie und Energieeffizienz Teil des Lehrplans werden. Wir waren Pioniere an der Uni in Aachen. Ich war und bin heute mehr denn je davon überzeugt sich bei allen technologischen Entwicklungen an der Natur zu orientieren.

Stefan: Mich hat zunächst das Datenbankproblem fasziniert. Ich habe damals für einen großen Konzern in leitender Position gearbeitet. Dort war ich aber eher Verwalter. Ich habe mehr Excelsheets ausgefüllt, anstatt wirklich etwas gestalten zu können. Das Tüfteln mit Markus war für mich ein Ausgleich zu dem damaligen Job. Ich habe auch erkannt, wohin die Idee führen kann. 2009 haben wir beide dann beschlossen, als gleichberechtigte Gesellschafter der MeteoViva GmbH das Produkt international vermarkten zu wollen. Dafür haben wir damals auch einen Investor gefunden, der bis heute mit uns zusammenarbeitet.

Als ihr mit eurer neuen Idee auf den Markt kamt, wurdet ihr nicht mit offenen Armen empfangen. Kunden waren anfangs skeptisch.
Markus: Wir waren neu und unbekannt. Alle fanden zwar, dass es ein tolles Produkt sei. Wir spürten aber die Angst sich auf eine kleine Bude einzulassen.


Wir waren damals die Ersten und Einzigen, die mit einer modellbasierten Gebäudesteuerung angetreten sind. Da wurde uns viel Skepsis entgegengebracht. Auch vonseiten der Industrie, schließlich ersetzen wir einen Material- durch einen datengetriebenen Ansatz.
Dr. Stefan Hardt, Sprecher der Geschäftsführung MeteoViva GmbH


Wie habt ihr dennoch überzeugen können?
Markus:
Der Modellansatz und Messergebnisse aus dem ersten Piloten überzeugten die Gutachter des BMWi. So wurden ab 2008 drei große Büroimmobilien des Landes NRW mit MeteoViva Climate durch das BMWi gefördert. Von dort aus konnten wir uns mit einer Mischung aus Hartnäckigkeit, persönlichen Empfehlungen und Veröffentlichungen weiter behaupten. So wurde 2007 der Planer der Gebäudeautomation des Neubaus EZB Frankfurt auf uns aufmerksam. 2010 ist es uns dann gelungen, die Deutsche Bahn als Kunden zu gewinnen und den ersten Rahmenvertrag der MeteoViva auszuhandeln. Jedes veröffentlichte Projekt und jeder gewonnene Award befruchtete neue Aufträge.

Stefan: Zu den ersten Kunden gehörten auch der Flughafen Düsseldorf und Generali, die mit einer frühen Entscheidung für unsere Technologie Pioniergeist bewiesen haben. Mit allen diesen Topreferenzen wurden wir auf einmal im Markt wahrgenommen. Clever war aber sicherlich auch unsere Idee, von Anfang an ein Performance-bezogenes Businessmodell und eine Versicherung anzubieten. Die Kunden bezahlen uns in Form von Erfolgsbeteiligungen an den Energieeinsparungen, und die Anfangsinvestition ist durch eine Einspargarantie versichert.

Was war eure Vision?
Stefan: Anfangs hatten wir vor allem das Ziel, das Raumklima zu verbessern. Bei dem ersten kleinen Projekt Sparkasse Orsoy haben wir dann festgestellt, dass wir mit unserem Ansatz auch sehr viel Energie einsparen. Ich kann mich noch erinnern, dass in Orsoy sogar die Zähler überprüft wurden, ob sie korrekt arbeiten. Das war für uns eine weitere Motivation – wir können das Raumklima verbessern, Kosten senken und gleichzeitig etwas Bedeutendes für die Umwelt bewirken.

Markus: Mein Bauch sagte mir schon zu meiner Zeit am Solarinstitut Jülich, dass mit der vorausschauenden Steuerung ein Riesenrad in Gang gesetzt werden würde. Heute wissen wir, dass die Idee mehr als zwanzig Jahre dem Markt voraus gewesen ist. Jetzt ist die Zeit gekommen.

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