Der CO2-Ausstoß ist ein Risiko für Immobilienwerte

Herr Bode, agradblue berät Real-Estate-Unternehmen, die den Energieverbrauch und CO2-Emissionen von Immobilien und ganzen Portfolios nachhaltig senken möchten. Wie kann die Branche zum großen CO2-Reduzierer werden?
Es gibt zwei zentrale Stellschrauben, an denen sich drehen lässt: der Energieverbrauch und die Energieversorgung. Da geht es darum, den Energieverbrauch im Betrieb des Bestands zu reduzieren. Bei dem weit überwiegenden Teil der Immobilien in Deutschland handelt es sich um Bestandsgebäude. Genau hier setzt auch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) mit ihrem Zertifizierungssystem für Gebäude im Betrieb an. Das System zeigt einen Pfad auf, Immobilien so zu optimieren, dass die Betreiber/Eigentümer die Potenziale zur CO2-Reduktion auf dem wirtschaftlichsten Weg ausschöpfen.

Und die zweite Stellschraube?
Das ist die Energieversorgung der Gebäude aus erneuerbaren Quellen. Beispielsweise über Wärmepumpen und mit grünem Strom. Doch nicht jeder Ökostromtarif ist wirklich nachhaltig. Hier ist es wichtig, sich an verlässliche Kennzeichnungen von Ökostromprodukten und Rankings von Stromlieferanten zu orientieren.

Haben die Klimaschutzdebatte und neue rechtliche Rahmenbedingungen wie die EU-Taxonomie-Verordnung, die eine Nachhaltigkeitsklassifizierung von Wirtschaftstätigkeiten einführt, die Branche zum Umdenken gezwungen?
Wir können auf jeden Fall davon ausgehen, dass der regulative Druck im Hinblick auf Klimaschutz immer größer wird. Davon abgesehen ist die Immobilienwirtschaft per se sehr risikoavers. Die meisten Immobilieninvestoren haben CO2-Emissionen als eine Risikoquelle für ihre Immobilienwerte erkannt. Ihre Bereitschaft ist daher gestiegen, in Dekarbonisierungsmaßnahmen zu investieren, um die CO2-Emissionen ihrer Immobilien entsprechend vorgegebener Zielkorridore zu reduzieren.

Mit der EU-Taxonomie ist auch die Messbarkeit von Nachhaltigkeit in den Fokus gerückt. Die Datenlage bezüglich Emissionen oder Verbräuche ist in der Immobilienwirtschaft aber nach wie vor eher mangelhaft. Wie lässt sich das ändern?
Ohne eine solide Datengrundlage weiß man weder wo man steht, noch wo sich etwas verbessern lässt. Aus diesem Grund raten wir unseren Kunden, Geld in die Hand zu nehmen, um den Bestand im Rahmen eines Projekts systematisch zu erfassen und vor allem auch eine digitale Verbrauchsmessung, das sogenannte Smart Metering einzubauen.

Ralf F. Bode ist Geschäftsführer der agradblue GmBH und der atmosgrad GmbH. Als Senior-Auditor der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) ist er Mitglied des Fachausschusses sowie des Immobilienbeirats der DGNB. Er berät zu ESG-Themen und ist in der AHO-Kommission zu Nachhaltigkeit, Innovation und Klimaschutz aktiv.

Wie gehen Sie bei der Ersterfassung von Gebäudebeständen vor?
Wir führen dazu ein Portfolio-Screening durch, um jedes einzelne Asset auf der „CO2-Landkarte“ zu verorten. Zuvor ist dafür in der Regel eine Datenqualitätssicherung notwendig. Wir überprüfen die Datenkonsistenz der Immobilien, um die Verbrauchseffizienz zu bewerten und diese langfristig optimieren zu können. Dabei werden die Verbrauchsdaten auf ihre Vollständigkeit und Plausibilität überprüft. Noch besser ist es, wenn die Verbrauchsdaten schon über das genannte Smart Metering laufend und idealerweise in Echtzeit geliefert werden können. Erst dann ist ein Objektreporting auf Grundlage gesicherter Verbrauchsdaten möglich.

Welche Rolle spielen Zertifizierungssysteme wie DGNB bei der Reduzierung des CO2-Footprints?
Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) setzt bereits seit 2007 auf einen aktiven Klimaschutz, der über das hinaus geht, was Gesetze normieren. Zudem liefert die DGNB ein Rahmenwerk, das Vorgehensweisen und Strategien zur Klimaneutralität vorstellt. Es beschreibt unter anderem Regeln zur Bilanzierung der CO2-Emissionen von Gebäuden und individuelle Klimaschutzfahrpläne. Bei den DGNB-Zertifizierungssystemen steht jedoch nicht nur die Reduktion von CO2-Emissionen im Vordergrund. Ökonomische Qualität sowie soziokulturelle und funktionale Qualität finden gleichermaßen Beachtung. Damit verfolgt die DGNB einen ganzheitlicheren Ansatz der Nachhaltigkeit.

Im Rahmen Ihrer Beratung berücksichtigen Sie vermehrt auch neue, digitale Lösungen wie die prädiktive Gebäudesteuerung MeteoViva Climate. Warum halten Sie diese Lösung für eine sinnvolle Dekarbonisierungsmaßnahme?
MeteoViva Climate ermöglicht eine Steigerung der Energieeffizienz über ein relativ kleines Modul, das sich mit wenig Aufwand installieren lässt und sich nach kurzer Zeit amortisiert. Zudem liefert die Lösung gleich die Sensorik mit, die wir benötigen, um die Optimierung messen zu können.

Weitere Informationen
www.agradblue.com
www.atmosgrad.com
Pressemitteilung: MeteoViva Climate ist die erste DGNB anerkannte Dienstleistung
 

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